Mähen mit der Sense: Erste Schnitte

In diesem Kapitel geht es um die ersten praktischen Schritte mit der Sense. Wir setzen voraus, dass deine Sense bereits zu dir passt, richtig eingestellt und scharf ist. Nun kommt es darauf an, eine geeignete Fläche zu wählen, eine gute Körperhaltung einzunehmen und den Mähschwung in Ruhe einzuüben.

1. Geeignete Fläche für die ersten Versuche

Für die ersten Mähversuche wählst du eine Fläche, die dir die Arbeit erleichtert:

  • eine Wiese mit aufrecht stehendem, nicht zu dichtem Gras,
  • möglichst ebenes Gelände ohne ausgeprägte Löcher oder Buckel,
  • am besten taufeuchtes Gras in den frühen Morgenstunden.

Taufeuchte Wiesenpflanzen lassen sich leichter schneiden. Trockenes, bereits welkendes oder umgelegtes Gras macht die ersten Versuche unnötig schwer.

2. Grundstellung des Körpers

Eine stabile, entspannte Grundstellung ist Voraussetzung für einen ruhigen Mähschwung. Sie bildet den Ausgangspunkt für jeden Schnitt.

  • Stelle dich so zur Fläche, dass du vom stehenden Aufwuchs wegmähst.
  • Nimm eine leichte Spreizstellung der Beine ein (je nach Körpergröße etwa 50–80 cm).
  • Die Knie sind leicht gebeugt, der Oberkörper ist nur wenig nach vorne geneigt.
  • Der rechte Fuß steht etwa eine Fußlänge vor dem linken.

Die Hände greifen wie folgt:

  • Die rechte Hand umfasst den Mittelgriff, der rechte Arm hängt seitlich locker herab.
  • Die linke Hand umfasst den oberen Griff am Stielende, der linke Ellenbogen ist gebeugt.

Das Sensenblatt liegt in der Grundstellung waagerecht auf dem Boden auf, der Sensenrücken trägt. Die Spitze des Blattes steht etwa auf Höhe des rechten Fußes. Die Schneide hat an der tiefsten Stelle, durch die Einstellung mit dem Keil, einen kleinen Abstand zum Boden.

3. Die Mähbewegung – Schnitt und Rückholweg

Die Mähbewegung besteht aus zwei Phasen:

  • der Schnittbewegung – das Blatt schwingt gleitend von rechts nach links durch das Gras,
  • der Rückholbewegung – das Blatt schwingt gleitend von links nach rechts in die Ausgangsposition zurück.

Wichtig ist: Die Bewegung entsteht überwiegend aus einer Drehung des Oberkörpers, nicht aus hektischen Armbewegungen.

  • Der Oberkörper dreht sich aus der Hüfte von der rechten zur linken Seite.
  • Der rechte Arm bleibt weitgehend gestreckt und führt die Sense seitlich am Körper vorbei.
  • Der linke Ellenbogen ist gebeugt und wird durch die Drehbewegung nach hinten geführt.
  • Das Sensenblatt gleitet während der gesamten Schnittbewegung flach, in einem bogenförmigen Schwung über den Boden.

Beim Rückschwingen der Sense soll das Blatt ebenfalls möglichst auf dem Boden entlang gleiten. So vermeidest du, dass du beim nächsten Schnitt zu hoch ansetzt.

4. Beinarbeit und Vorwärtsschreiten

Die Beine unterstützen den Mähschwung und sorgen für einen gleichmäßigen Arbeitsrhythmus.

  • Zu Beginn des Mähschwunges ist das rechte Bein leicht geknickt, das Körpergewicht liegt etwas über dem rechten Standbein.
  • Während der Drehbewegung wird das rechte Bein gestreckt, der Körper richtet sich auf und verlagert sich über das linke Bein.
  • Am Ende des Mähschwunges ist das rechte Bein weitgehend entlastet.

Das Vorwärtsschreiten erfolgt in kleinen Schritten:

  • Das rechte Bein befindet sich stets etwa eine Fußlänge vor dem linken.
  • Während des Rückschwunges der Sense setzt du zuerst mit dem rechten, anschließend mit dem linken Fuß nach.
  • Du arbeitest so in einem gleichmäßigen Rhythmus mit kleinen Schritten vorwärts.

5. Schnitthöhe und Mahdbreite

Die Schnitthöhe wird im Wesentlichen durch die Einstellung der Sense und die flache Führung des Blattes bestimmt.

  • Führe das Blatt so flach wie möglich über den Boden, ohne mit der Schneide im Boden zu kratzen.
  • Vermeide ein Hochziehen der Sense am Anfang oder Ende des Schwunges. Die Hamme soll nicht wie ein Golfschläger über dem Boden „ausholen“.

Bei der Mahdbreite gilt: Nimm am Anfang lieber etwas weniger Mähgut pro Schwung.

  • Dringt die Spitze zu Beginn des Schwunges zu tief in den Bestand ein, nimmst du zu viel auf einmal – der Schwung wird abgebremst.
  • Ein gleichmäßiger, nicht zu großer Bogen erleichtert das Mähen und sorgt für ruhige Bewegungen.

Gut ist eine Mähbewegung, bei der die Spitze etwa auf Höhe des rechten Fußes ins Gras eintaucht und der Schwung ungefähr auf Höhe der linken Ferse ausläuft.

6. Trockenübungen ohne oder mit kurzer Mahd

Bevor du dich an höhere oder dichtere Bestände wagst, sind Trockenübungen hilfreich:

  • Übe die Drehbewegung des Oberkörpers zunächst ohne Sense.
  • Nimm dann die Sense in die Hand und führe die Bewegung auf kurz geschnittenem Gras oder ohne Kontakt zum Boden aus.
  • Achte darauf, dass die Bewegung hauptsächlich aus Hüfte und Rumpf kommt, die Arme machen die Drehung ruhig mit.

Erst wenn sich diese Bewegung sicher und flüssig anfühlt, gehst du zur vollständigen Mähbewegung auf der Wiese über.

7. Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Einige typische Fehler treten bei fast allen Anfängern auf. Wenn du sie kennst, kannst du bewusst gegensteuern.

  • Hochziehen der Sense zu Beginn oder Ende des Schwunges
    Die Sense wird wie ein Golfschläger geführt, die Hamme läuft über dem Boden. Ergebnis: wenig Schnitt, viel Kraftaufwand.
    Korrektur: Achte darauf, dass Rücken und Schneide während der gesamten Bewegung flach in Bodennähe bleiben.
  • Ziehende Mähbewegung vor dem Körper
    Die Sense wird wie ein Rechen schräg vor dem Körper entlanggezogen. Die Halme werden eher abgeschlagen als geschnitten.
    Korrektur: Führe das Blatt seitlich in einem bogenförmigen Schwung, der vom rechten Fuß zur linken Ferse verläuft.
  • Zu viel Mähgut pro Schwung
    Die Sense fährt zu tief in den stehenden Bestand, der Schwung stockt oder bleibt mitten in der Bewegung stehen.
    Korrektur: Nimm zunächst schmalere Bahnen und arbeite dich in Ruhe an größere Mahdbreiten heran.
  • Hackende oder hauende Bewegung
    Wird die Sense mit Kraft „gehoben und geschlagen“, deutet das häufig auf mangelnde Schärfe hin.
    Korrektur: Sense regelmäßig wetzen und gegebenenfalls dengeln. Die Mähbewegung bleibt ein flacher, ziehender Schnitt.

8. Geduld und Übung

Auch beim Sensen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es ist normal, dass die Sense anfangs gelegentlich „Luftschwünge“ macht oder die Spitze sich in den Boden bohrt. Entscheidend ist, dass du:

  • in Ruhe übst,
  • auf eine entspannte, aufrechte Körperhaltung achtest,
  • regelmäßig wetzt,
  • und Mähbewegung und Schrittfolge zu einem gleichmäßigen Rhythmus verbindest.

Mit zunehmender Übung wird das Mähen mit der Sense zu einer flüssigen, rhythmischen Tätigkeit, bei der die Sense leicht durch das Gras läuft und du die Vorteile einer richtig eingestellten, scharfen Sense voll nutzen kannst.